2014 ist für Historiker ein Jubiläumsjahr: Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Er dauerte 4 Jahre und erwies sich als eine Katastrophe, wie niemand sie hätte voraussagen können. Mehr als 8 Millionen Menschen verloren ihr Leben, noch mehr wurden verwundet, viele von ihnen blieben verstümmelt. Millionen verloren ihre Habe, ihr Zuhause und das Vertrauen auf eine verlässliche Weltordnung. Die 5 Großmächte Europas, nämlich Frankreich, Großbritannien, das Kaiserreich Deutschland, die k. u. k. Monarchie Österreich-Ungarn und das Zarenreich Russland, die bis 1914 ein prekäres Gleichgewicht aufrechterhalten hatten, hatten ihre alte Großmachtstellung verloren. Österreich-Ungarn zerfiel in seinen deutschsprachigen Kern, Ungarn und mehrere neue slawische Staaten; Deutschland verlor einen großen Teil seines Herrschaftsgebietes und musste jahrelang enorme Kriegsentschädigung bezahlen, so dass ganze Bevölkerungsschichten verarmten; Russland verlor Polen, Finnland und die neu gegründeten baltischen Staaten und erlebte einen politischen Erdrutsch: das Zarenreich wurde in die Sowjetunion umgewandelt, den ersten kommunistischen Staat der Erde. Auch die Siegermächte Großbritannien und Frankreich büßten ihre alte Machtstellung ein: sie waren bei den USA verschuldet, in ihren Kolonien regte sich Widerstand, der letztlich zum Verlust dieser Kolonien führte. Auch am Rande Europas zerbrach die alte Ordnung: das Osmanische Reich zerfiel in die Türkei und die späteren arabischen Staaten. Nur eine Macht ging als wahrer Sieger aus dem militärischen Gemetzel hervor: die Vereinigten Staaten, die zum Gläubiger der ganzen Welt wurden. Sie wurden zur einzigen Weltmacht. Nur die Sowjetunion konnte eine Zeitlang, nach schweren wirtschaftlichen und politischen Krisen, den USA als ebenbürtige Weltmacht gegenüber treten.

 

   Diese Umwälzungen konnte 1914 noch niemand  vorausahnen. Der Krieg schien zunächst ja nur ein Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu sein, weil die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz-Ferdinand in Sarajevo vermutlich von Serbien veranlasst, zumindest aber gedeckt wurde. Aber beide Konfliktpartner hatten Bundesgenossen, für die eine Niederlage ihres Schützlings auch die eigene Machtposition schwächen musste: Hinter Serbien stand Russland, das die slawischen Brüder gegen Österreich stärken wollte, und hinter Österreich stand Deutschland, das seinen einzigen ihm noch verbliebenen Bündnispartner, eben Österreich, nicht im Stich lassen wollte. Eine Kette von Ultimaten, Drohgebärden, Kriegsvorbereitungen und Präventiventscheidungen führte in einer einzigen Woche zum Kriegseintritt von Deutschland, Russland, Frankreich und Großbritannien, und später folgten noch andere Länder, weil sie auf Kriegsbeute hoffen konnten. Der große Krieg, lange befürchtet, aber in letzter Minute mehrfach abgewendet, war plötzlich da. Schlimme politische Fehlentscheidungen, letztlich aber die Nervosität verunsicherter alter Großmächte und die Aufholjagd einer neuen Großmacht, nämlich des Kaiserreiches Deutschland, hatten das Pulverfass zur Explosion gebracht.

   Am Anfang war die Sorge nicht groß. In den 50 Jahren vor 1914 hatte es mehrere Kriege gegeben, sie waren alle nach wenigen Monaten entschieden. Eine einzige Entscheidungsschlacht konnte schon den Frieden bringen (Königgrätz 1866, Sedan 1870). Aber 1914 war das anders. Der Krieg zog sich in die Länge. Vier Jahre lang gab es keine Entscheidung. Das war die Folge von neuen Erfindungen in der Kriegstechnik. Einige Stichworte genügen: Maschinengewehr, Schützengraben, Drahtverhau, Stellungskrieg, Trommelfeuer, Materialschlacht, Tank (d.h. Panzerkampfwagen), Eisenbahngeschütz, Gasangriff, Doppeldecker, Fliegerbomben und Unterseeboot. In früheren Kriegen wurden Schlachten durch Umgehungsmärsche und Kavallerieattacken entschieden, jetzt fraßen sich die Operationen im Stellungskrieg fest, in Fronten außerhalb der deutschen Landesgrenzen: in Flandern und Lothringen, in Galizien und auf dem Balkan. Der erste Weltkrieg erforderte zahllose Menschenopfer und ungeheuren Aufwand an Kriegsmaterial, er wurde zur Produktionsschlacht. Sieger blieb am Ende, wer die größeren Produktionsreserven hatte, und das waren nun einmal die Vereinigten Staaten, zumal sie erst 1917 in den Krieg eintraten, nachdem die europäischen Kriegsparteien schon durch drei Kriegsjahre erschöpft und ausgeblutet waren.

   Der erste Weltkrieg war also eine historische Wende ersten Ranges, und das Jubiläumsjahr 2014 legt die Frage nahe, wie die Familie Bernbeck ihn wahrgenommen oder auch miterlebt hat. Sehen wir also nach, welche Spuren er in unserem Familienblatt hinterlassen hat, werfen wir einen Blick in die Jahrgänge 1914-1918!

   Früher erschien das Familienblatt jeden Monat. Auch 1914 gab es eine fortlaufende Folge vom 1. Januar bis zum 1. Juli. Im August trat eine Unterbrechung ein, weil im Juli 1914 ein Familientag stattgefunden hatte und „nach altem Herkommen“ die Redaktion im folgenden Monat Ferien hatte. Das nächste Blatt erschien daher am 1. September 1914. Inzwischen war Franz-Ferdinand am 28. Juni in Sarajevo ermordet worden, und Anfang August erfolgte die Serie der Kriegserklärungen. Daher erschien auf der Titelseite der Septemberausgabe ein halbseitiger Artikel mit der Überschrift „Der Krieg und unser Familienbund“. Darin stellt der Schriftleiter, Pfarrer Heinrich Nies in Melbach (D 16, bzw. D 46), sorgenvolle Betrachtungen an. Er spricht von „schweren Tagen voll Spannung und schrecklichem Warten der Dinge, die da kommen sollen“. Aber man habe „auch wohl gelernt, gleichsam nur noch von Stunde zu Stunde zu leben und … vorzunehmen, was die Stunde gebietet“. Er schließt die Bitte an, ihm „auf einer Postkarte diejenigen Familienmitglieder anzugeben, die jetzt zum Waffendienst eingezogen sind, oder die im Dienste des Roten Kreuzes oder sonstwie dem Vaterland ihre Kraft gewidmet haben“. Sein Schlußsatz: „Ich denke, wir wollen sie alle mit herzlicher Teilnahme auf ihrem Wege begleiten und in unserem Gebet ihrer gedenken vor dem Gott, der allein unsere Zuversicht und Stärke ist in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Gott mit uns!“.

   Auf seinen Aufruf erhielt er zunächst 15 Mitteilungen, wiedergegeben im Oktoberheft. Darin wird der Kriegsdienst von 27 Verwandten angezeigt, darunter 6 Kriegsfreiwillige und 4 Frauen im Sanitätsdienst. Einige der 27 verblieben im Landsturm, bei vielen wurde Armeekorps, Division, Bataillon und Kompanie angegeben. Im Novemberheft folgen 9 weitere Namen, darunter auch schon 2 Auszeichnungen mit dem Eisernen Kreuz. (Die Angaben sind nicht vollständig. So fehlen z.B. mein Vater Ernst Bernbeck (E 45) und mein Onkel Hermann Bernbeck (E 41). Offenbar hatten ihre Mutter und Schwestern – der Vater war schon früh gestorben – den Aufruf im Familienblatt übersehen.)

   Einige Feldpostbriefe berichten knapp von Gefahren und Entbehrungen, meist aber von guter Gesundheit, Todesmut und Gottvertrauen. „Möchte er uns und unserer guten Sache doch auch weiter helfen.“ (Dr. Hermann Waldeck, D 122, Novemberheft 1914, S. 84)

   Doch das Dezemberheft 1914 muss wie eine Bombe gewirkt haben. Nach zwei Anzeigen vom Tod betagter Verwandter folgen auf der dritten Seite (S. 92) gleich zwei Todesanzeigen von Kriegsopfern, obendrein von zwei Brüdern, Hans und Karl Schröder (A 343 und A 345). Hans starb im Alter von 28 Jahren als Leutnant in der Nähe von Verdun, Karl am 10. November im Alter von 35 Jahren als Vizefeldwebel in Flandern, beide waren unverheiratet. Sie starben, so lauten die beiden Anzeigen, „den Heldentod für das Vaterland“. Der Vater erhielt zugleich mit der Todesnachricht noch eine Postkarte, in der ihm Hans am Tag vor seinem Tod die Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz mitgeteilt hatte. Der vorgesetzte Oberst schrieb in einem Kondolenzbrief an den Vater: „Zu all den großen Opfern, die das siegreiche Regiment in den vielen Schlachten und Gefechten dieser Woche dem Vaterland gebracht hat, musste unser bester Kamerad noch zählen. War es doch sein schönster Traum (nach eigener Erklärung) mit dem Kreuz geschmückt als Sieger auf dem Felde der Ehre zu fallen…“ (S. 93)

   Einige Sätze aus Briefen anderer Kriegsteilnehmer der Familie Bernbeck beleuchten die Stimmung in den ersten Kriegsmonaten, vor allem Kampfeifer und Todesmut: „Eine Schrapnellkugel hat mir den linken Oberarm in Splitter geschlagen. Die Heilung macht gute Fortschritte: ich hoffe, zu Beginn des neuen Jahres wieder ins Feld zu können.“ (Joseph Hirsch, D 442, Dez. 1914, S. 95)    „Ich bin … an der Spitze meiner Kompanie durch einen Schrapnellschuß in das linke Knie verwundet worden …. Jetzt kann ich … kürzere Strecken schon wieder zu Fuß zurücklegen; es werden aber … noch Monate vergehen, bis sich die zum Marschieren und zum Reiten nötige Kraft einstellt. Für die … bewiesene Tapferkeit übersandte mit der Regimentskommandeur … das Eiserne Kreuz.“ (Karl Becker, HA 373, Dez. 1914, S. 95)  „Nachdem wir 5 Tage unter ständigem feindlichen Feuer in den Schützengräben auszuhalten hatten, sind wir gestern nun abgelöst worden und haben uns heute wieder einmal tüchtig satt gegessen… Unsere Kompanie hat 15 Mann verloren. Wir lagen im zweiten Graben und durften nicht schießen. Ich habe mich deshalb freiwillig zur Verstärkung der vordersten Front gemeldet.“ (Oskar Bernbeck E A2 – er ist noch 1914 im Alter von 19 Jahren in Russland gefallen – Dezemberheft S. 97)

   Todesgefahr und Verluste zeigt auch der folgende Bericht: „…heftiges Schrapnellfeuer. Zuerst streckten wir frech die Köpfe heraus und sahen nach, wie weit hinter uns die Dinger einschlugen. Als aber die Schüsse immer besser saßen, die Luft dröhnte und die Erde zitterte und ein Geschoß so dicht hinter uns einschlug, dass uns die Erdklumpen ins Gesicht flogen, verging uns das Lachen… Wir ärgerten uns, noch immer keinen Engländer gesehen zu haben. Da wurden 16 Freiwillige für die vorderste Linie gesucht. Ich meldete mich gleich.. Man hat entsetzliche Sachen zu erleben, und ich wundere mich, wie die Nerven sich an alles gewöhnen. Unser Bataillon hat 7 Tote und 32 Verwundete.“ (Fritz Bernbeck, E A1, S. 97f)

   Wenden wir den Blick zurück in die Heimat. Dort finden wir Patriotismus, Siegeszuversicht und Fürsorge für die Verwundeten. Besonders anschaulich zeigen das die Veranstaltungen auf der Gießener Waldbühne. Dort hatte Gymnasiallehrer Dr. Karl Bernbeck (E 31) seit 1909 Jahr für Jahr für die Aufführung „nur kerndeutscher Stücke“, z.B. Kleists „Hermannsschlacht“ gesorgt. Er schreibt über den Wandel im Jahr 1914 (Nov. 1914, S. 85f): „Heuer war der 23. Juli der letzte Spieltag, ein Tag, der… für die Freilichtbühne von Bedeutung werden sollte, …weil genau mit Beginn des Stückes (6 Uhr) das von Seiten der Donau-Monarchie an Serbien gerichtete Ultimatum überreicht wurde. Die Entscheidung über Krieg und Frieden war gefallen, ersterer stand, wenn auch noch nicht erklärt, vor der Tür. Die folgenden Tage waren gekennzeichnet durch drückende Gewitterschwüle am politischen Horizont, die am 31. Juli ihren Höhepunkt erreichte. Für diesen Tag hatte ich die Aufführung von Anzensgrubers „Pfarrer von Kirchfeld“ angesetzt, ließ aber, da schon gegen 12 alles auf des Messers Schneide stand, kurzer Hand den Ausfall der Aufführung bekannt geben … Die Vorstellung sollte zunächst nur als verschoben gelten. Im Stillen wird aber niemand daran gedacht haben, dass die Freilichtbühne ihre Pforten noch einmal in diesem Jahre für künstlerische Darbietungen öffnen werde. Und doch sollte es so kommen, und zwar zu wiederholten Malen seit der Kriegserklärung. Hiesige Verwundete waren es, brave Krieger sind’s gewesen die ich – zunächst am 6. September – in einer kurzen Eröffnungsansprache als „liebe junge Freunde“ willkommen hieß, die auf dem Felde der Ehre mit dem Erbfeind die Waffen gekreuzt und dort ihr Leben in die Schanzen geschlagen hätten. Die Begrüßungsworte schlossen mit einem dreifach Hoch auf Vaterland, insbesondere auf das ruhmreiche deutsche Heer und seinen obersten Kriegsherrn, S.M. den Kaiser.“

   Der „Dienst der vaterländischen Sache“ fand herzlichen Beifall, der erfolgreichen Veranstaltung folgten bald ähnliche, die dann auch einige hundert Gießener Bürger und Bürgerinnen anlockten. Dr. Bernbeck zitiert den Bericht des „Gießener Anzeigers“ (Nov. 1914, S. 86): „Gestern Nachmittag hatte die Freilichtbühne wieder unsere verwundeten tapferen Soldaten zu Gaste geladen… Es ist ein eigenartiges Bild. Wir sitzen im deutschen Walde, über uns der Himmel, neben uns unsere tapferen Krieger, und hören von der Bühne gute Worte über unser herrliches Vaterland, sehen die Begeisterung in allen Augen blitzen, dazu der Gesang der Vögel und das Rauschen des Windes in den Baumkronen, das Herz wird uns im Busen hell und warm… Im Namen der Freilichtbühne begrüßte Professor Dr. Bernbeck die Verwundeten, seine Rede klang mit einem begeisterten Hoch auf unser tapferes Heer und den allerhöchsten Kriegsherrn aus.“

   Nach einigen solchen „kleinen vaterländischen Veranstaltungen“ lud Dr. Bernbeck am ersten Oktober-Sonntag zu einer größeren Feier ein, an der weit über 1000 Personen – vom Militär und Zivil – teilnahmen. Im Mittelpunkt standen zwei Hans-Sachs-Stücke, und zum Schluß hielt Dr. Bernbeck eine kurze Ansprache, die, so schreibt er selbst im Familienblatt (S. 86), „mit der Aufforderung, das „Lied der Deutschen“ zu singen, schloß. Das geschah stehend aus über 1000 deutschen Kehlen. Alles in allem, eine würdige Feier … und zugleich eine denkwürdige: Die letzte Vorstellung in diesem Jahr war eine Kriegsvorstellung – möge im nächsten Jahr die erste eine Art Friedens- und Siegesfeier sein.“ Übers Jahr, zu Zeit der Maien „möge der völkermordende Weltkrieg zu Ende sein, und an seine Stelle möge treten völkerbeglückender Friede auf Erden“. Und damit schließt sein Bericht von der „Gießener Freilicht-Bühne in Kriegszeiten“.

Der Neujahrsgruß 1917 des Schriftleiters Heinrich Nies (D 16 = D 46) zeigt deutlich, wie die Kriegsbegeisterung in Friedenssehnsucht umgeschlagen ist. Er schreibt: „Unsere Wünsche in der jetzigen Zeit … fassen sich zusammen in ein einziges Wort: Friede.“ Er bedauert, seine Gedanken nicht nach alter Gewohnheit in poetische Form gebracht zu haben, und fährt fort: „Aber was … heißt Gewohnheit in dieser Zeit, in der man sich die eingefleischtesten Gewohnheiten, wie z.B. das Essen, mehr oder weniger abgewöhnen muss und die Redensart des alten Paten: „Man muss sich an Entbehrungen gewöhnen“, auch in unserer Familie aufgefrischt werden dürfte … Leider scheint das Klingen der Friedensglocken, das manche in diesen Tagen aus weiter Ferne zu hören glaubten, auf Sinnestäuschung und Ohrensausen zu beruhen. Ich selbst habe es überhaupt nicht gehört.“ Er denkt wohl auch an die nicht immer gefüllte Redaktionsmappe: Indessen könnte doch auch der Krieg unserem (Familien-) Blatte vielmehr, als es geschehen ist, nutzbar gemacht werden, wenn die Rubrik „Der Krieg und unser Familienbund“ mehr gefüllt würde mit kürzeren oder längeren Mitteilungen der Kriegsteilnehmer, und das sind ja nicht bloß unsere Feldgrauen, sondern auch alle, die den Krieg daheim erleben.“ (Januarheft 1917, S. 1f)

Vor dem Krieg trafen sich in unregelmäßigen Zeitabständen Verwandte der Familie Bernbeck an einem Nachmittag in Gießen, oft in stattlicher Zahl. Daran erinnert Hilde Bernbeck (C 252) und schreibt (Februar 1917, S. 1f): „Mit Beginn des Krieges waren unsere Zusammenkünfte begreiflicherweise eingeschlafen, da die Stimmung dazu fehlte. Nach einiger Zeit machte ich den schüchternen Versuch, die verschiedenen Onkels und Tanten für eine Familienvereinigung zu erwärmen. Ich fand jedoch keine Gegenliebe, denn niemand hatte Lust, was mir nicht ganz verständlich war. … Im vergangenen Sommer wagte ich’s zum zweiten Male, und plötzlich war man allgemein dafür, denn … auf diese Weise konnte man doch von den verschiedenen Verwandten, die direkt oder indirekt am Kriege beteiligt sind, einmal Näheres hören … Es gab an diesem Tage frische Waffeln. Frische Waffeln, ein Hochgenuss schon zu Friedenszeiten und ein noch viel größerer Leckerbissen jetzt in der Kriegszeit! … Sind die abwesenden Verwandten alle durchgehechelt, liefert der Krieg noch reichlich Unterhaltungsstoff. Aber auch der genügt den Hausfrauen noch nicht, und es dauert gar nicht lange, so fangen sie an zu kochen und zu backen, wenn auch nur theoretisch. Sogar die männlichen Teilnehmer zeigen bisweilen recht viel Interesse für die Kochkunst und die neuen Kriegsrezepte. Sehr schön war diese erste Zusammenkunft …; wir zählten 17 Personen. Die nächste war leider sehr schlecht besucht. Wir waren nur 5 Personen, und doch war dies der wichtigste Tag, an dem der Reichskanzler dem Reichstag die Mitteilung von dem Friedensangebot machte! Wie verlockend wäre es doch gewesen, dieses große Ereignis bei der Familienzusammenkunft zu besprechen! … Mit welch frohen Hoffnungen für die Zukunft trennten wir uns abends! Sie scheinen aber leider noch nicht so rasch in Erfüllung gehen zu wollen. Oh, möchte doch recht bald der Tag kommen, an dem wir wieder unsere erste Friedensfamilienzusammenkunft halten können!“ (Das Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 wurde von der Entente abgelehnt.)
Im Septemberheft 1917 steht eine ganzseitige erschütternde Todesanzeige mit dem Eisernen Kreuz der Kriegsgefallenen (S. 34): „Am 6. Juli starb den Heldentod …. Georg Keßler (A 675). Voll glühender Begeisterung ins Feld hinausgegangen, brachte er schon am zweiten Tage vor dem Feind sein blühendes, 18-jähriges Leben dem Vaterland zum Opfer dar …“ In einem noch von Siegeszuversicht erfüllten Nachruf schreibt sein Vater: „In Jugendkraft, in Begeisterung und treuer Pflichterfüllung ist er schmerzlos und wie im Schlaf hinübergegangen in ein besseres Land. Wohl ein schöner Soldatentod! Aber ein tragisches Verhängnis war die ganze Sache, und es ist schwer, gegen eine gewisse Bitterkeit anzukämpfen. Er hat keine Gelegenheit gehabt, etwas zu erleben, sich auszuwirken und an dem siegreichen Vormarsch teilzunehmen, wie er es sich wohl ausgemalt hatte. … Er hat das Höchste geleistet und sein Leben für seine Brüder und sein Vaterland geopfert…“ (S. 35)

Bad Herrenalb.

Johannes Oesch (57) ist neuer evangelischer Pfarrer von Bad Herrenalb. In einem festlichen Gottesdienst ist er gestern in sein Amt eingeführt worden.

Die Investitur mit Amtsverpflichtung und Segnung vollzog Dekan Joachim Botzenhardt aus Neuenbürg. Er sagte: „Liebe Bad Herrenalber, es ist geschafft. Die lange Zeit des Wartens und der Ungewissheit ist vorbei. Der neue Pfarrer ist da.“ Ganz so neu ist Pfarrer Oesch in Bad Herrenalb allerdings nicht. Ein Jahr lang übernahm er bereits Vertretungsdienste für die lange Zeit erkrankte Vorgängerin im Amt. Außerdem half er die Lücke zu füllen, die durch den Wegfall der zweiten Pfarrstelle in Bad Herrenalb entstanden war. „Sie haben in der Gemeinde schon erste Spuren hinterlassen“, bestätigte Botzenhardt. Zusammen mit dem im vergangenen Herbst völlig neu besetzten Kirchengemeinderat steht die evangelische Kirchengemeinde jetzt vor einem Neuanfang.

Artikel im Schwarzwälder Boten unter http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bad-herrenalb-ungewissheit-vorbei.1e77a0d6-6888-47d5-ad63-8df935a96f5d.html

Bereits im Februar hatte sich der bisherige Eigentümer aus Pfungstadt gemeldet, der auf allerlei Umwegen an das Porträt eines Johann Phillip Bernbeck geraten war. Aufgrund einer Beschriftung auf der Rückseite soll es sich bei diesem Johann Philipp Bernbeck um den Großvater unseres Stammvaters Johann Daniel Bernbeck handeln. Da sich der bisherige Bildeigentümer auch mit Ahnenforschung befasst, kam er über die Homepage in Kontakt mit Otto-Georg Richter (F 9423), der allerdings von seinem Wohnsitz in den USA aus nichts unternehmen konnte.

Johann Philipp Bernbeck

Nachdem der Sprecher auf das Porträt hingewiesen worden war, fuhr er nach Pfungstadt und erwarb das Bild gegen eine kleine Summe.

Die Inschrift auf der Rückseite lautet: Johann Philipp Bernbeck, geb. zu Gießen am 4. IV.1700, gest. daselbst am 29. IX. 1759, Großvater des Wirberger Stammvaters, siehe Stammbaum S. 44 oben.

Auf der Rückseite der Leinwand steht 1724. (Der Rest ist nicht zu entziffern)

Johann Philipp Bernbeck (Rücken)

Im besagten Stammbaum von 1896 steht auf S. 44: Johann Philipp, Bürger und Wollenweber, auch des XVIer Raths Mitglied zu Gießen, geboren am daselbst am 4. April 1700, gest. 29. September 1754, vermählt seit 11. August 1718 mit Anna Dorothea, geb. Maus. Tochter des Bürgers und Tuchmachers Joh. Jost Maus zu Gießen. Das Porträt zeigt ihn also im Alter von 24 Jahren als Ratsherr, mit einem an einen Pfarrer erinnernden Beffchen. Für heutige Augen wirkt er allerdings älter. Aufgrund dieser Einträge muss sich das Porträt also bereits einmal im Besitz der Familie befunden haben. Da der vormalige Besitzer nicht zu ermitteln war, wird der Sprecher Dr. Ernst Jürgen Bernbeck das Bild verwahren.