Wir schreiben das Jahr 2016. Das bedeutet, dass der Familienver-band Bernbeck, gegründet 1876, 140 Jahre alt geworden ist. 140 ist zwar keine anerkannte Jubiläumszahl wie 150, aber doch eine schön runde und bemerkenswerte Zahl, die für einen Familienverband ein stattliches Alter anzeigt. Denn schon vor einigen Jahren ließ die schrumpfende Zahl der Teilnehmer an den Familientagen Zweifel auf-kommen, ob unser Verband überhaupt das 120. Lebensjahr erreichen würde. Jetzt, 20 Jahre nach dem befürchteten Sterbetermin, können wir feststellen: wir sind immer noch da, zwar unübersehbar geschwächt, aber noch nicht ganz am Ende. Ein kleiner Trupp von stammesbewuss-ten Verwandten hält das Fähnlein der Familienverbundenheit aufrecht und gibt sich redliche Mühe, das frühere Feuer der Begeisterung für die Familientage nicht völlig verglimmen zu lassen.

Das Jubiläumsjahr 2016 ist Anlass und Anregung, den Blick auf das Jahr 1876 zurückzulenken, auf die Gründung des Familienverbandes Bernbeck, genauer gesagt, des Verbandes der Nachkommen unseres
Korrespondenzblatt der Familie Bernbeck Stammvaters Johann Daniel Bernbeck (1757-1825), Pfarrer auf dem Wirberg (1784-1816) und in Heuchelheim (1816-1825), zwei Pfarreien in der Umgebung von Gießen. Bei anderen Trägern des Namens Bern-beck ist ja nicht mehr feststellbar, ob und wie sie mit uns verwandt sind.
1876 war Johann Daniel Bernbeck bereits 51 Jahre verstorben. Von seinen insgesamt 13 Kindern (3 sind in früher Kindheit gestorben) leb-ten nur noch Christian Bernbeck (1799-1882) und Meline Scriba (1811-1880). Aber sein Urenkel, der Theologe und Gymnasiallehrer Lic. Theol. Dr. phil. Carl Leimbach (A 81, 1844-1905), Sohn von Karoline Leimbach, geb. Wahl, und Enkel von Charlotte Wahl, geb. Bernbeck, ergriff 1876 die Initiative, die Nachkommen von Johann Daniel Bern-beck zu einer Zusammenkunft und zur Gründung eines Familienver-bandes aufzurufen.
Carl Leimbach begann am 21. März 1876 mit einem Rundbrief an die ihm bekannten Verwandten, in welchem er vorschlug, jedes Jahr ein Familienfest zu feiern und jeden Monat ein „Correspondenzblatt“ dru-cken zu lassen. Außerdem sollten die Daten zu einem Stammbaum der Familie gesammelt werden. Das Echo war, wie Carl Leimbach selbst schreibt, „erquickende Einmütigkeit“. Er hatte auch glänzende Vorarbeit geleistet: schon am 2. April 1876 erschien Nr. 1 des vorgeschlagenen Korrespondenzblattes, das er ohne jede Hilfe als vorläufiger Redakteur erstellt hatte, um zu zeigen, wie er sich die Sache dachte. Darin konnte er bereits die Namen und Adressen von 50 Abonnenten mitteilen. Ei-nige hatten gleich 2 oder auch 4 Exemplare bestellt. (Anm.: Dem ersten Korrespondentblatt folgten Monat für Monat weitere Nummern. Sie sind Quelle für alle hier angeführten Zitate – fortan be-zeichnet mit „aa0“. Die Seiten wurden für das ganze Jahr 1876 durch-nummeriert (1-102). Deshalb genügt bei den Zitaten die Seitenzahl – auch ohne Angabe des Erscheinungsmonats.)

Die Antworten auf seinen Rundbrief erlaubten Carl Leimbach auch, Termin und Ort für den ersten Familientag bekannt zu geben. Eine Mehrheit hatte für den 7. Juni 1876 gestimmt, den Mittwoch nach Pfingsten. Er selbst hatte den Dienstag nach Pfingsten vorgeschlagen, ließ sich aber umstimmen, weil mehrere Pfarrer der Familie Bernbeck geltend machten, nach den Amtspflichten der Pfingsttage sei ein Tag der Erholung geboten. Als Versammlungsort schälte sich mit 27 Stimmen eindeutig Gießen heraus, weil es, wie Carl Leimbach zusammen-fasst, „ein (Bahn)Knotenpunkt nach den verschiedensten Richtungen war, also keinem Besucher Umwege verursachte, weil ferner dort „Wenzels Garten“ alle Erfordernisse (Abgeschlossenheit, Raum zum Spazierengehen, zum Spielen der Kinder und der Jugend etc.) in vol-lem Maße erfüllte“ (aa0. 2f.). Andere Vorschläge kamen dagegen nicht in Betracht: Wirberg, Gleiberg, Schiffenberg und Salzhausen waren zu weit von der Eisenbahn abgelegen, von Friedberg rieten viele, die es kannten, entschieden ab, es biete gar nichts. „Viele Leute sind daselbst zu philiströs, als dass sie ein so schönes Fest zu würdigen wüssten. Man würde von der Neugier zu sehr belästigt und müsste vor den Bli-cken der Frauenzimmer, die an jenem Tage, mit Opernguckern und Lorgnetten bewaffnet, vom Fenster nicht wegkämen, förmlich Spießru-ten laufen.“ (aa0. 2) Die Vorschläge Alsfeld und Lauterbach konnten nicht mehr berücksichtigt werden, weil sie zu spät kamen. Salzhausen könnte vielleicht später einmal wieder zu Ehren kommen. Dort hatte nämlich schon 1845 ein Familienfest stattgefunden, welches nach Carl Leimbach „in den Erinnerungen unserer älteren Vetter noch in bestem Andenken“ war. (aa0. 2) Er selbst war freilich damals erst 1 Jahr alt.

Zur Vorbereitung des Familientages am 7.Juni 1876 in Gießen erlegte Carl Leimbach, der damals in Bonn lebte, den Gießener Verwandten die Verpflichtung auf, „sich als Lokalcomité zu constituieren, ad hoc ei-nen Bahnhofsvorstand der Familie Bernbeck zu ernennen, die Anmel-dung zum Feste in Empfang zu nehmen, die Festgenossen abzuholen, die Tische in Wenzels Garten zu decken etc.“ (aa0. 3) Mitteilungen dar-über, wer in das Lokalcomité erwählt wurde, und Vorschläge, wie „ein Bahnhofsvorstand“ sich den Verwandten kenntlich machen werde, er-bat sich Carl Leimbach im Laufe der nächsten 14 Tage, um sie in Nr. 2 des Korrespondenzblattes (das dann schon am 1. Mai 1876 erschien) veröffentlichen zu können. Man sieht: Carl Leimbach war ein hervorra-gender Organisator und hat alles im Voraus sorgfältig bedacht.

Von Anfang an hatte Carl Leimbach vorgesehen, die Nachkommen von Theodor Strack (1739-1807) an den Veranstaltungen der Familie Bernbeck zu beteiligen. Theodor Strack, 18 Jahre älter als Johann Da-niel Bernbeck, war Pfarrer in Londorf (jetzt ein Teil von Rabenau), etwa 10 km vom Wirberg entfernt. Zwischen den beiden Amtsbrüdern bestand offenbar herzliche Freundschaft, die zu gegenseitigen Familien-besuchen führte. Das hatte weitreichende Folgen, denn so lernten sich auch die Kinder der beiden Pfarrer kennen. Johann Daniel Bernbeck hatte 5 Töchter, Theodor Strack 3 Söhne. Der zweite von ihnen, Gott-fried Strack (1782-1821), war gleichfalls Pfarrer geworden und heiratete 1806 Henriette Bernbeck, die zweite Tochter Johann Daniels, die dadurch Stammmutter des Stammes Strack I wurde. Sie brachte 4 Kin-der zur Welt, starb aber im achten Ehejahr (1814). Gottfried Strack war inzwischen Nachfolger seines Vaters in Londorf geworden, blieb also der Familie Bernbeck nah benachbart, aber auch verwandtschaftlich eng verbunden. Er heiratet nämlich 8 Monate nach dem Tod seiner Frau deren jüngere Schwester Karoline Bernbeck und machte sie zur Stammmutter des Stammes Strack II.

Damit nicht genug. Gottfried Stracks ältere Schwester Dorothea hatte den Pfarrer Wilhelm Bichmann geheiratet. Ihr ältester Sohn, geboren 1803, trug denselben Namen wie sein Vater, wurde ebenfalls Pfarrer und lernte über seinen Onkel Gottfried in der Familie Bernbeck Eleo-nore (1800-1867) kennen, die zweitjüngste Tochter des Johann Daniel Bernbeck, die er 1832 heiratete, wodurch sie zur Stammmutter des Stammes Bichmann wurde. So haben also zwei Nachkommen von Theodor Strack, ein Sohn und ein Enkel, gleich drei Tochterstämme der Familie Bernbeck ins Leben gerufen.
Eine weitere Verbindung kam noch hinzu. Der eben genannte Wil-helm Bichmann jr. (HA 1) hatte eine Schwester Karoline (HA 4). Sie heiratete 1833 Karl Ludwig Hunsinger (1810-1870), der die Freund-schaft mit der Familie Bernbeck weiter festigte. Er dichtete zu der oben erwähnten Familienfeier in Salzhausen (1845) ein Festlied (aa0, 4f.) und war bei den Bernbecks hoch geachtet. Christian Scriba (G 2) schreibt 1876 über ihn: "Wer denkt nicht an die große Gastfreundschaft, die das Haus Hunsinger uns allen jederzeit gewährte! Und hat nicht gerad der selige Onkel Hunsinger den Bernbeck’schen Familiensinn zu erhalten, zu nähren und zu beleben gesucht!“ (aa0. 12) Die Tochter des so verehrten Karl Ludwig Hunsinger, Johanna Theodore (HA 41), wurde 1874, also kurz vor dem ersten Familientag, die zweite Frau von Johann Christoph Nies, dessen ersten Frau Meline, geb. Strack (D 4), 1858 im Alter von 38 Jahren gestorben war. (Später gab es noch zwei weitere Querverbindungen: Karl Pitz (D 22) heiratete 1887 Ida Hunsin-ger (HA 441), und Wilhelmine Clara Marguth (A 312) heiratete 1904 Friedrich Nies (HA 411)).
So war es für Carl Leimbach selbstverständlich, die Familie Strack als Erweiterung der Familie Bernbeck zu betrachten und auch die nicht mit Bernbeck-Töchtern verschwägerten Nachkommen von Theodor Strack gewissermaßen zu adoptieren. Es kam also zur Anerkennung eines Adoptivstammes Strack III, dem zur Unterscheidung von den übrigen Stämmen der Buchstabe H zugeordnet wurde. Dabei gab es freilich eine Schwierigkeit: Theodor Strack hatte 4 Kinder. Sein Sohn Gottfried war durch die Ehe erst mit Henriette, dann mit Karoline Bernbeck Mit-glied der Familie Bernbeck geworden. Aber auch die drei übrigen Kin-der hatten Nachkommen und waren Begründer neuer Stämme. Der Buchstabe H konnte nur für e i n e n Stamm gelten, die beiden an-deren hätten also Anspruch auf die Buchstaben I und J gehabt. Das war unsinnig, weil ja der Stamm Strack III als e i n Adoptivstamm angesehen werden sollte. Außerdem wäre der Anschein erweckt wor-den, dass Johann Daniel Bernbeck nicht 7, sondern 10 Stämme ins Leben gerufen hätte. Da fand man den Ausweg, den Buchstaben H ge-wissermaßen in drei Teile aufzuspalten, in HA, HB und HC.
Aber wäre es nicht einfacher gewesen, das H schon dem Stammvater Theodor Strack zuzuordnen? Das hätte wieder ein anderes Dilemma ergeben: seine Kinder hätten dann die Kennziffern H 1, H 2 und H 3 erhalten müssen. Dann wäre die Generation der Strack-Söhne beim Vergleich mit den Bernbecks als eine Generation von Enkeln erschie-nen – auch das also keine befriedigende Lösung. So kommen also die Mitglieder des Adoptivstammes Strack III in den „Genuss“ einer Erwei-terung ihrer Kennziffer durch einen weiteren Buchstaben – ein Merk-mal, das den „echten“ Stämmen der Familie Bernbeck versagt geblie-ben ist. Jetzt, viele Generationen später, haben die ältesten Familien-mitglieder hinter dem Stammes-Buchstaben mindestens 3 Ziffern, man-che jüngere bereits 7. Da kann man kaum noch erkennen, ob jemand ein Urenkel oder schon ein mehrfacher Ur-ur-ur-enkel eines der beiden Stammväter ist. Es ruft nur Verwunderung hervor, wenn auf einem Fa-milientag Besucher erscheinen, die auf ihrem Namensschild (wenn sie überhaupt eins angesteckt haben) die Stammesbezeichnung HA, HB oder HC tragen.
Nun zurück zum Familientag 1876. Nachdem Carl Leimbach im ers-ten Familienblatt (April 1876) Zeit und Ort des geplanten Familientages festgelegt und ein Programm für den „offiziellen oder parlamentari-schen Teil“ vorgeschlagen hatte, konnte er im zweiten Heft (1. Mai 1876) schon zwei Festlieder bekanntgeben (aa0. 9f), eins von ihm selbst verfasst, das andere von Friedrich Hunsinger (HA 44), dessen Vater Karl Ludwig Hunsinger (HA 4) schon auf dem Salzhausener Fa-milienfest 1845 mit einem Festlied hervorgetreten war. Er berichtete ferner von der ersten Sitzung des Gießener Lokalcomités am 19. April (aa0. 12): „Zu diesem wichtigen Ereignisse hatte die Redaktion des Correspondenzblattes (die ja allein aus ihm selbst bestand) ihren Chef-redacteur als Specialberichterstatter abgesandt, welcher schon zwei Stunden vor Beginn der Verhandlungen eintraf und so glücklich war, an den Verhandlungen mit beratender Stimme teilnehme zu dürfen.“ Auf dieser Sitzung gab es Einwände gegen „Wenzels Garten“, so dass man sich „nach einer gründlichen Ocularinspection“ (aa0. 13) für die „Schöne Aussicht“ als Versammlungsort entschied. Man erörterte auch die Fragen des Festessens, der Getränke und der Nachtquartiere in billigen Gasthöfen, für welche Anmeldung bis zum 20. Mai erbeten wurde. Über die musikalische Begleitung – Beschaffung eines „Piani-nos“ oder Engagement einer Musikkapelle? – konnte noch keine Ent-scheidung getroffen werden.

Beraten wurde auch ein Antrag von Carl Pitz (D 22): „Könnten wir nicht an dem Tage des Festes einen tüchtigen Photographen zur Stelle haben, welcher ein Familienbild, nach einzelnen Gruppen geordnet, aufnähme? Die Kosten der ersten Aufnahme könnten durch an jenem Tage zu erhebende freiwillige Beiträge gedeckt werden, und die Bestel-lung auf einzelne Exemplare wird jedenfalls so umfangreich werden, dass der Künstler seine Rechnung finden wird. – Ein solches Familien-bild würde zweifellos für alle Anwesenden ein teures Andenken blei-ben.“ (aa0. 14) Der Antrag fand Beifall, schien aber schwer zu verwirk-lichen. Wenn sich eine Lösung fände, sollte sie in der Juni-Ausgabe des Korrespondenzblattes bekanntgegeben werden, damit „die verehrten Frauen und Jungfrauen eine zweckentsprechende Garderobe mitbrin-gen können“. (aa0. 15) – Die Sorge erwies sich als voreilig: tatsächlich wurde kein Photograph gefunden, der erste Familientag blieb ohne das gewünschte Erinnerungsfoto. Wohl aber wurde ein „Provisorischer Festausschuss“ gegründet: je ein Vertreter für die einzelnen Stämme. Das war die Keimzelle des späteren Familienrats.
Das Familienblatt vom 1. Juni 1876, das letzte vor dem bevorstehen-den Familientag, berichtete von einer weiteren Sitzung des Lokalko-mités am 13. Mai. Da wurde beschlossen „ein Streichsextett zu be-schaffen, welches etwa von 2 Uhr an, jedenfalls während der Tafel bis abends 8 oder 9 Uhr, oder nach Wunsch länger zur Verfügung stehen würde. Ein Klavier würde erstens diese Musik kaum ersetzen können, zweitens würde es an Spielern mangeln, besonders während des Es-sens, drittens könnte das Instrument beschädigt werden und missliche Kosten verursachen.“ (aa0. 26)

Vor allem legte der „Provisorische Familienausschuss“ den Rahmen fest, wie der Familientag ablaufen sollte. Dieses Programm verrät sorg-fältige Planung aller Einzelheiten und verdient, hier im Wortlaut zitiert zu werden (aa0. 27): „Am 6. Juni, abends 8 Uhr, versammeln sich Lo-kalcomité, Familienausschuss und alle bereits eingetroffenen erwach-senen Festgäste im Café Ebel zu einer Vorversammlung, welche zu-nächst nach einer gegenseitigen Begrüßung eine Vorberatung über alle am eigentlichen Festtage zur Beratung und Beschlussfassung vorge-stellten Gegenstände unternimmt und so der Debatte des folgenden Tages vorarbeitet, ohne jedoch bindende Beschlüsse zu fassen, und sodann zu einer gemütlichen Unterhaltung übergeht….“ Und weiter: „Am Morgen des 7. Juni versammeln sich die Festteilnehmer von 9 Uhr an zu einem Frühtrunk, bzw. zur Begrüßung neu eintreffender Fest-gäste in der Restauration Lenz, neben dem Centralbahnhofe, bei un-günstiger Witterung im Hause, bei günstiger im Freien. Zu jedem ein-treffenden Zuge geht eine freiwillige Deputation und holt die Ankom-menden ab. – Von der Restauration Lenz begeben sich entweder nach und nach, d.h. gruppenweise, die Festgäste zur „Schönen Aussicht“, oder es wird um 12 Uhr ein gemeinsamer Festzug dorthin veranstaltet.

Auf der Schönen Aussicht wird jedem Festteilnehmer die Praesenz-liste zur Einzeichnung seines Namens und event. derjenigen seiner un-erwachsenen Kinder vorgelegt werden. Dann nimmt er den von seinem Stammesordner ihm angewiesenen Platz ein. Der betr. Ordner wird ihm am Eingange in den Saal, sobald er seinen Namen und Stamm genannt hat, mitgeteilt werden. – Während des offiziellen oder parlamentarischen Teiles sitzen die Festteilnehmer nach Stämmen geordnet in fol-gender Reihenfolge: I. Fam. Bernbeck: 1.) Stamm Wahl, 2.) Stamm Strack, I 3.) Stamm Bernbeck-Langd, 4.) Stamm Strack II, 5.) Stamm Bernbeck-Lehrbach, 6.) Stamm Bichmann-Lich, 7.) Stamm Scriba-Leihgestern. II. Fam. Strack. Die Reihenfolge dieser Familie, d.h. aller Nachkommen des Allendorfer Urgroßonkels Strack (Theodor Strack, Pfarrer in Londorf – EJB), soweit sie den Namen Strack, Hunsinger, Stirn etc. führen, … wird Vetter Fr. Hunsinger…festsetzen. – Für die Senioren der Familie und die Ehrengäste (Freunde der Familie) sind besondere Plätze reserviert.“ (aa0. 27f.)

Das Programm wird fortgesetzt (aa0. 28): „Sobald die Versammlung geordnet ist, eröffnet der Alterspräsident dieselbe mit einer kurzen An-sprache und fordert die Versammlung auf, von dem Liede „Erhebt die Herzen in der Runde“ (verfasst von Carl Leimbach, Text und Melodie waren im Mai-Heft des Korrespondenzblattes (aa0. 9) bekanntgegeben worden) Vers 1 und 2 zu singen. Dann folgt unter der Leitung des Al-terspräsidenten die Wahl des Vorsitzenden und bzw. Stellvertreters, und durch diesen die Ernennung der beiden Protokollführer bzw. Be-richterstatter. – Sodann wird Vetter C. Leimbach eine einleitende An-sprache halten.“ „Darauf folgt die feierliche Präsentation sämtlicher Festgenossen durch die 8 gewählten Festordner, und beginnen sodann die Verhand-lungen über folgende Themata:

1. Der Antrag Leimbach (darin hatte C. Leimbach vorgeschlagen, die Festversammlung zur Betonung der „natürlichen Gleichbe-rechtigung“ (aa0. 26) aller Nachkommen des Urgroßonkels Stracks und des Urgroßvaters Bernbeck als „Tag der Familien B e r n b e c k und S t r a c k“ zu bezeichnen – EJB)
2. Die Neuwahl des Familienrates (bislang gab es ja nur einen „Provisorischen Familienausschuss“)
3. Der nächste Familientag: Wann und Wo?
4. Das Correspondenzblatt
5. Die Familienkasse
6. Wahl des Redacteurs und Rendanten für das Jahr 1876/77
7. Andere Anträge und Wünsche.“ (Diese mussten „schriftlich bei dem Präsidium, mit Namensunterschrift versehen, und rechtzei-tig eingereicht werden.“ (aa0. 28)

Während der eigentlichen Debatte durfte kein Redner länger als 2 Minuten reden, die Referenten waren nur bzgl. der Referate ausgenom-men. (Das waren Carl Leimbach für die Themen 1 und 4, sowie Chris-tian Scriba (G 2) für Themen 2) und 5) Verfolgen wir das Festprogramm weiter (aa0. 28.f): „Nunmehr (d.h. nach den genannten „Themata“) wird der dritte Vers des oben genann-ten Liedes (von Carl Leimbach) gesungen und der offizielle Teil des Festes vom Vorsitzenden geschlossen. – Dann begibt sich die Festver-sammlung ins Freie, bzw. bei ungünstigem Wetter in die Nebenräume, bis die Festtafel hergerichtet ist.“
„Während des officinellen Teiles oder des Festmahls ist bunte Reihe in der Weise herzustellen, dass jeder Vetter ein Bäschen engagiert und zu Tische führt. Von dieser Pflicht können nur dispensiert werden die Brautpaare und solche Ehepaare, welche noch im ersten Jahr ihrer Ehe stehen. (Für die größeren Kinder ist ein besonderer Tisch auf der Seite gedeckt.)“
„Nach dem ersten Gange beginnen die Toaste, zunächst der auf den Landesvater; dieser wird s t e h e n d mit angehört. Während des Hochs wird n i c h t mit den Gläsern geklingt. Nach demselben wird die zweite Festhymne (darüber mehr im nächsten Heft) nach der Melo-die „Gott erhalte Franz den Kaiser“ gesungen.- Dann folgt der Toast auf die Familie. Im Anschluss an diesen singen wir: „Es klingt ein Lied zu uns aus alten Tagen“ (das neue Festlied von Friedrich Hunsinger, aa0. 10) – Hieran schließen sich die Toasts auf die Senioren der Familie, auf die Frauen und Jungfrauen der Fam., auf das Lokalcomité an. Alle diese sind bereits vergeben und übernommen. Weitere Toasts sind bei dem zu erwählenden Präsidium anzumelden, welches die Reihenfolge feststellen wird. – Nach aufgehobener Tafel hat jeglicher Zwang ein Ende, und es wird vollkommen gemütlich.“ (aa0. 28)
Nach so sorgfältig geplanter Festordnung, welche wohl die Hand-schrift von liturgieerfahrenen Pfarrern verrät, konnte der bevorstehende Familientag nicht mehr schiefgehen. Das nächste Familienblatt vom 1. Juli 1876 gab darüber Auskunft.

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